Geländestrecken 2026
Mike Etherington-Smith beschreibt den Longines CCI5*-L Geländekurs
Es ist immer ein Privileg, die Gelände-Niveau gestalten zu dürfen. Auch nach vielen Jahren in diesem Sport bleiben die besondere Spannung, die Vorfreude und auch die Nervosität bestehen – genau das macht diese Aufgabe so besonders.
Mit Blick auf die FEI-Weltmeisterschaften in Aachen später in diesem Jahr werden viele Athletinnen und Athleten in Luhmühlen ein Ausrufezeichen in Richtung Championatsauswahl setzen und zugleich eine starke sportliche Leistung zeigen wollen. Spitzensport bedeutet, mit besonderen Momenten umgehen zu können, im richtigen Augenblick die richtigen Entscheidungen zu treffen und auch bei großer Erwartung die eigene Leistung abzurufen. In diesem Jahr dürfen wir uns auf viele der weltweit besten Pferde, Reiterinnen und Reiter freuen, die mit genau diesen Anforderungen bestens vertraut sind.
Die Strecke nutzt die bekannten Luhmühlener Merkmale, darunter die drei Wasserkomplexe, die Wellenbahn und die im vergangenen Jahr neu eingeführte Irish Bank.
Mein Dank gilt allen, die mit großem Einsatz daran arbeiten, diese Strecke möglich zu machen – insbesondere dem Parcoursbauteam um Christian Zehe. Das erste Jahr in einer solchen Rolle ist immer eine besondere Herausforderung: Man muss einen neuen Standort kennenlernen und das bei einem der renommiertesten Turniere der Welt. Hinter der Strecke stecken Monate intensiver Arbeit: neue Hindernisse bauen, bestehende Elemente überarbeiten und den Boden kontinuierlich verbessern.
Die ersten Hindernisse – der Auftakt der Sparkasse Harburg-Buxtehude (1), der Equistro Tisch (2) und der Holzstapel (3) – sollen die Pferde gut ins Springen bringen und ihnen helfen, den Rhythmus und die Form zu finden, die die Reiterinnen und Reiter sich wünschen. Sie liegen knapp innerhalb der maximal erlaubten Abmessungen, sind aber als faire und flüssig zu reitende Auftaktsprünge angelegt.
Die ersten Aufgaben warten am Longines Wasser (4) (5abc). In diesem Jahr springen die Pferde zunächst über MIM Rails mit einem Absprung zu einer tieferen Landestelle, bevor es den Hang hinunter zum Boot, weiter zu einer schmalen Bürste im Wasser und anschließend den Hang hinauf zum letzten Element geht. Diese erste Kombination fordert von Beginn an Aufmerksamkeit, Vertrauen und Konzentration von Pferd und Reiter.
Anschließend führt die Strecke weiter zur Reiterbar (6) und zur Volksbank (7) in Richtung Hauptstadion.
Die drei Elemente der Longines Kombination (8abc) prüfen Rittigkeit und Kontrolle. Die Hindernisse sind mit vollen Abmessungen gebaut, zwei davon mit Sicherheitssystem, und verlangen Vermögen, Präzision und ein Pferd, das gut auf die Hilfen seiner Reiterin oder seines Reiters reagiert. Für Paare, die an dieser Stelle der Strecke etwas mehr Zeit für die Feinabstimmung benötigen, gibt es eine längere Alternative – diese kostet allerdings Zeit. Bei diesem Hindernis zuzusehen wird mir eine große Freude.
Der CARLITOS Birkenoxer (9) ist erneut ein Sprung mit maximalen Abmessungen, der sich flüssig reiten lässt, bevor mit der Trainingsplatz-Kombination (10abcd) eine der neuen Aufgaben dieses Jahres folgt. Hier haben die Reiterinnen und Reiter verschiedene Wege zur Auswahl. Der direkte Weg – über eine offene MIM Ecke auf der Erhebung, weiter über ein Haus und anschließend zu einer weiteren offenen MIM Ecke – verlangt präzises Reiten sowie ein Pferd, das vorsichtig, ehrlich und selbstbewusst ist. Das ist eine echte CCI5*-L-Frage.
Nach einer kurzen Verschnaufpause geht es weiter zu einem der prägenden Hinderniskomplexe: dem Meßmer Teich (11) (12ab) (13ab). Der schnelle Weg führt über die MIM Rails an 12a. Den Reiterinnen und Reitern ist bewusst, dass eine Auslösung 11 Strafpunkte zur Folge hat. Die Pferde müssen hier also sauber und vorsichtig springen, während die Reiterinnen und Reiter eine gute Kontrolle behalten. Danach geht es auf die Insel zur schmalen Bürste an 12b, wo Selbstvertrauen und Ehrlichkeit gefragt sind. Anschließend führt die Linie zurück ins Wasser und den Hang hinauf zu den versetzten Bürsten auf einen Galoppsprung. Hier müssen Linie und Tempo genau stimmen. Diese Aufgabe ist fair gestellt, verlangt aber durchgehend klares Reiten. Auch hier steht eine längere Alternative zur Verfügung, falls ein Paar den direkten Weg nicht wählen möchte – allerdings wird auch diese Variante Zeit kosten.
Die Willke Wellenbahn (14abc) unterscheidet sich nicht grundlegend vom vergangenen Jahr. Das schmale Haus steht oben, danach folgen der Absprung zu einer tiefer gelegenen Landestelle und anschließend die schmale Triple Brush auf drei Galoppsprünge. Hier ist gutes Reiten gefragt: Die Pferde sollen verstehen, was von ihnen verlangt wird, und ihre Aufgabe erfüllen können, ohne dass zu viel eingegriffen wird.
Die Niedersachsenpferde (15) bieten einen Rhytmussprung, bevor es zur Manzke Irish Bank (16abcd) geht, die in diesem Jahr ein etwas anderes Bild zeigt. Vor der Bank steht kein zusätzlicher Sprung mehr, was die Aufgabe etwas anspruchsvoller macht und von den Reiterinnen und Reitern mehr Mitdenken verlangt. Wie die Pferde von der Bank zu den beiden schräg gestellten Bürsten kommen, ist individuell unterschiedlich. Die Reiterinnen und Reiter müssen also gut reagieren und ihr Pferd unterstützen. Es ist eine echte Reiteraufgabe, bei der Ehrlichkeit, Balance und Genauigkeit eine wichtige Rolle spielen.
Danach folgt der Oxer (17), ein harmonisch zu reitender Sprung mit vollen Abmessungen, der auf die beiden Bürstenecken des kommenden Wasserkomplexes vorbereitet.
An STERNPARTNER Wasserspiele (18ab) ist ein guter Sprung über die erste Ecke entscheidend, um die zweite Ecke oben am Hang passend mit vier Galoppsprüngen zu erreichen. Auch diese Aufgabe belohnt gutes Reiten und ein ehrliches Pferd, denn die Ecken stehen auf einer engen Linie. Der Tisch (19) gibt eine kleine Atempause, auch wenn er eindrucksvoll wirkt, bevor Pferd und Reiter zurück ans Wasser zu STERNPARTNER Wasserspiele (20abc) kommen. Diese Aufgabe beginnt mit einem Absprung ins Wasser, gefolgt von zwei schmalen Arrowheads auf einer leicht gebogenen Linie mit drei Galoppsprüngen nach dem Herausreiten aus dem Wasser. Die Reiterinnen und Reiter müssen ihre Linie zum Absprung je nach Pferd gut planen. Sie können etwas mehr Raum auf geradem Boden vor dem Absprung wählen oder etwas weiter außen anreiten. Welche Variante sie auch wählen: Nach der Landung im Wasser müssen sie sich schnell wieder sortieren, um für die letzten beiden Sprünge dieser Aufgabe bereit zu sein.
Nach dieser intensiven Passage folgt der Reviertisch (21), der als vorbereitender Sprung für die beiden Elemente der Luhmühlen Kombination (22ab) dient. Die Paare haben verschiedene Wege zur Auswahl. Beide Varianten beinhalten einen Sprung über ein MIM Rail auf einer Erhebung und eine Ecke mit Sicherheitssystem. Der schnelle Weg verlangt die richtige Linie, ein gut gewähltes Anreitetempo, damit die Pferde die Aufgabe klar erkennen können sowie gutes Reiten mit drei Galoppsprüngen zur Ecke. Auch hier gibt es eine längere Alternative mit ähnlicher Fragestellung, die jedoch etwas einfacher angelegt ist.
Am Fledermaushotel (23) folgt nach der vorangegangenen Passage wieder ein Rhytmussprung bevor es zum Coffin (24abc) geht. Auch hier müssen die Paare ihre Linie halten und mit Selbstvertrauen springen. Die beiden schräg gestellten Baumstämme verlangen eine klare Linie, Konzentration und Vertrauen.
Der Graben mit Bürste, die Lotto Niedersachsen Hecke (25), wirkt eindrucksvoll, springt sich erfahrungsgemäß aber gut, während die Pferde und Reiter sich auf den Heimweg machen. Zu diesem Zeitpunkt sind die wesentlichen Fragen der Strecke gestellt. Nun geht es darum, Pferd und Reiter bis zum Ende aufmerksam und konzentriert zu halten.
Die beiden Oxer am Hof Fehmbusch (26ab) sind technisch nicht übermäßig anspruchsvoll, sollten aber weiterhin mit der nötigen Sorgfalt geritten werden. Auch sie sind mit Sicherheitssystemen ausgestattet.
Der letzte Sprung, der Longines Final Jump (27), ist ebenfalls mit einem Sicherheitssystem versehen. Ziel ist es, dass die Reiterinnen und Reiter auch auf den letzten Metern konzentriert bleiben und die Strecke bis zum Schluss mit der gleichen Aufmerksamkeit reiten.
Über die gesamte Strecke hinweg habe ich versucht, den Reiterinnen und Reitern Aufgaben zu stellen und dabei zugleich fair gegenüber den Pferden zu bleiben. Die Reiterinnen und Reiter können die Strecke so oft abgehen, wie sie möchten. Die Pferde sehen sie nur während des Ritts und müssen innerhalb kürzester Zeit verstehen, was von ihnen gefragt ist. Mein Dank gilt allen, die mit großem Einsatz daran arbeiten, diese Strecke möglich zu machen – insbesondere dem Parcoursbauteam um Christian Zehe. Das erste Jahr in einer solchen Rolle ist immer eine besondere Herausforderung: Man muss einen neuen Standort kennenlernen und das bei einem der renommiertesten Turniere der Welt. Hinter der Strecke stecken Monate intensiver Arbeit: neue Hindernisse bauen, bestehende Elemente überarbeiten und den Boden kontinuierlich verbessern.
Meine abschließenden Worte gelten den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Ich hoffe sehr, dass Sie Freude daran haben werden, diese Strecke zu reiten. Ich wünsche Ihnen viel Glück und zufriedene Pferde.
