Hindernisse Longines CCI5*-L   

Mit dem Parcourschef über die Geländestrecke

In diesem Jahr ist der Ansporn für diejenigen Reiter besonders groß, die darauf hoffen, für die Europameisterschaften nominiert zu werden, die vom 28. August bis zum 1. September hier in Luhmühlen stattfinden werden. Deshalb wird es sicher in diesem Jahr ganz besonders spannend. Einige werden zufrieden und ermutigt nach Hause fahren, andere eher enttäuscht. Das liegt in der Natur des Sports.

 

Viele der internationalen Top-Reiter leben in Europa. Dementsprechend wird das sportliche Niveau der Europameisterschaften weltklassig sein. Als gastgebende Nation darf Deutschland zwölf Pferd-Reiter-Paare aufstellen, während die anderen Nationen auf sechs Paare limitiert sind. In einigen Ländern gibt es so viele starke Reiter, dass es schwer wird, ins Team zu kommen. Andere Nationen werden froh sein, sechs Paare aufzustellen.

 

Mit diesen Gedanken im Hinterkopf – was wird die diesjährigen Kurse auszeichnen? Die mittlerweile CCI4*-S genannte Prüfung ist anspruchsvoller geworden, und die Reiter müssen – wie immer – vom Start bis ins Ziel konzentriert reiten.

 

Das CCI5*-L ist Sport auf dem höchsten Niveau. Dementsprechend ist der gesamte Aufbau intensiver, und die gestellten Aufgaben sind sehr viel anspruchsvoller als in den unteren Klassen. Der Kurs ist ein Mix aus großen, klobigen Einzelsprüngen, aus schräg zu springenden Hindernissen, Ecken, Tiefsprüngen und schmalen Elementen, sogenannten „skinnies“ – also ein physisch und mental vielseitiger Test für Pferd und Reiter.

 

Wie im letzten Jahr geht es linksherum. Die ersten Hindernisse der Auftakt der Sparkasse Harburg-Buxtehude (1), das Rathaus (2) und das Fledermaushotel (3) sollen Pferden und Reitern die Nervosität nehmen und sie in einen guten Rhythmus bringen. Die Hindernisse haben maximale Abmessungen, sind aber unkompliziert anzureiten.

 

Der Trakehner (4) sieht immer beeindruckend aus, lässt sich aber gut reiten. Dann wartet die erste Aufgabe der Strecke auf die Paare.

 

Die zwei schmalen Häuser von Charles Owen Royal Works (5) sollten auf diesem Niveau eigentlich keine Probleme bereiten. Doch die Reiter müssen aufmerksam sein, weil ein ärgerlicher Vorbeiläufer hier schnell passiert.

 

Wenn die Reiter zum ersten Wasserkomplex kommen, werden sie merken, dass die Prüfung 5*-Niveau hat. Luhmühlens Wasserspiele (6) fordern Selbstvertrauen, Sportlichkeit, Reaktionsschnelligkeit und gutes Reiten. Ich erwarte, dass die Pferde das zweite Bootshaus recht groß springen werden. Dann folgt eine schnelle Rechtswendung, den Hügel hinauf zu der schmalen Blumenkiste, welche aufgrund ihrer Position auf dem Hügel recht groß wirkt – und auch ist. Es gibt eine zeitaufwändige Alternativroute, die jedoch wenige in Anspruch nehmen werden.

 

Ein Bogen um die Fläche herum bringt die Reiter zurück zum Wasserkomplex. Luhmühlens Wasserspiele (7/8) ist ein Hindernis mit maximalen Abmessungen und bereitet die darauffolgende Bürste vor. Die Pferde nehmen erst kurz vor dem Sprung wahr, ob sie im Wasser landen werden. Diese Aufgabe zeigt, wie selbstsicher die Pferde sind. Wenn sie das erste Wasser gut gemeistert haben, würde es mich überraschen, wenn sie diesen Sprung nicht gut bewältigen. Das zweite Element ist die Buschecke auf dem Hügel. Hier sind sowohl positives, energisches und akkurates Reiten gefordert, als auch Ehrlichkeit der Pferde gefragt. Es gibt erneut eine längere Alternativroute über eine andere Ecke für alle, denen die kurze Linie nicht zusagt.

 

Mit dem Holzstoß (9) folgt nun ein Erholungssprung. Es geht in den Wald. Dort sollte Hof Sudermühlens Jagdszene (10) keine Probleme bereiten, obwohl der Sprung auf einer Anhöhe steht.

 

Heiner’s Wellenbahn (11) ist eine Aufgabe für die Reiter. Es geht darum, die Pferde optimal vorzubereiten und das richtige Tempo zu wählen. Wenn die Distanz und das Tempo zu dem ersten Element stimmen, sollten sich die folgenden drei Galoppsprünge auf gebogener Linie zu den beiden links versetzten Ecken gut entwickeln. Wenn man zu schnell auf das erste Element trifft, riskiert man einen Vorbeiläufer an der zweiten Ecke.

 

Der Horseware Jump (12/13) sieht sehr groß aus, sollte aber gut zu springen sein. In diesem Jahr habe ich das zweite Element etwas dichter herangeholt, so dass die Reiter diese Sprünge als Einheit betrachten müssen. Die Ecke ist nicht nur groß, sondern auch ziemlich schmal. Ein Vorbeiläufer wäre sehr ärgerlich.

 

Bei LVM Am Waldrand (14) ist von Pferden und Reitern Aufmerksamkeit gefordert. Wieder geht es um das Tempo, die korrekte Vorbereitung, die ideale Linie, Athletik und Ehrlichkeit. Das erste Hindernis steht nur einen Galoppsprung vor dem Graben. Es ist mit dem MIM-System ausgestattet, einem Sicherheitssystem, welches das Risiko eines Sturzes reduzieren sol. Zwei Galoppsprünge später folgt schon eine schräge Bürste. Relativ häufig überspringen Pferde einen Graben nicht auf gerader Linie, sondern driften ein wenig in eine Richtung. Dies kann sehr schnelle Korrekturen des Reiters erfordern, um das letzte Element erfolgreich zu überwinden.

 

Hof Sudermühlens Jagdszene (15) steht mitten im Wald und ist, obwohl es ein großer Sprung mit einer tieferen Landestelle ist, ein Erholungssprung auf dem Weg zu den kommenden für Luhmühlen charakteristischen Sprüngen.

 

Dann ist der Meßmer Teich (16,17,18ab) in Sichtweite. Für mich ist dies eine der schwierigsten Aufgaben der Strecke. Zunächst springen sie über den gewaltigen Oxer, dann kommt die schmale Hecke sehr schnell. Es ist also kontrolliertes aber gleichzeitig positives Reiten gefragt. Pferde und Reiter können erst sehr spät erkennen, ob sie im Wasser landen werden. Hinzu kommt die beeindruckende Atmosphäre an diesem Komplex – die vielen Zuschauer, die erwartungsvolle Spannung. Das sind viele Eindrücke, die von einem Pferd innerhalb kürzester Zeit verarbeitet werden müssen. Um dem Schwierigkeitsgrad Rechnung zu tragen, gibt es hier eine zeitraubende Alternative über eine Dreifachbürste, welche um das ganze Wasser herumführt, bevor es zum nächsten Hindernis geht. Das Boot im Wasser ist für Paare auf diesem Niveau eigentlich unkompliziert. Ich habe die Aufgabe allerdings durch eine Dreifachbürste  am  Aussprung etwas erschwert. Diese Hindernisfolge erfordert erneut  Ehrlichkeit, Genauigkeit, Selbstvertrauen und gutes Reiten.

 

Nach der Intensität des Meßmer Teiches ist es an der Zeit für einen motivierenden Erholungssprung. Der Tisch (19) sieht massiv aus, ist jedoch ein unkomplizierter Sprung.

 

Neu in diesem Jahr ist die Manzke Kombination (20). Zwischen den beiden Gattern liegen drei Galoppsprünge, welche beide mit dem MIM System ausgestattet sind. Es ist erwähnenswert, dass das MIM- und das PIN- System nur bei bestimmten Arten von Hindernissen verwendet werden können. Die Systeme sind so konzipiert, dass sie nachgeben, wenn sie mit einer bestimmten Kraft “belastet” werden. Das Ziel das wir alle verfolgen ist es, die Wahrscheinlichkeit zu verringern, dass Pferde stürzen. Die technischen Spezifikationen für diese so genannten zerbrechlichen Mechanismen werden von der Internationalen Reiterlichen Vereinigung festgelegt.

 

Dann geht es auf den Hauptplatz zur Longines Kombination (21). Zunächst ist ein großer Tisch zu überwinden - ebenfalls mit einem Sicherheitsystem ausgestattet. Dann müssen sich die Reiter entscheiden, ob sie die beiden Steinwälle schräg springen, um Zeit zu sparen. Alternativ können sie auf Nummer sicher gehen und sie auf gerader Linie springen. Das kostet jedoch Zeit, weil die Pflanzen umritten werden müssen. Die Winkel sind ziemlich spitz, wenn sie sich für die direkte Linie entscheiden, und das Risiko eines Vorbeiläufers ist größer, aber die Zeit spielt ebenfalls eine Schlüsselrolle.

 

Gärtnerei Wredes Rennbahnsprung (22) ist unkompliziert und sollte – genau wie Luhmühlens EM Brücke (23) – schön zu springen sein. Beides sind leichtere Sprünge, bevor die letzten Aufgaben auf Pferde und Reiter warten.

 

Die beiden großen Tische Auf dem Trainingsplatz (24) sind zwar unkompliziert, müssen aber dennoch respektiert werden. Es liegt im Ermessen der Reiters, wie eng sie hier anreiten – vor allem im Hinblick auf die Zeit. Jede Sekunde, die gespart werden kann, summiert sich schnell, bis zum Ende des Kurses, und kann einen großen Unterschied im Hinblick auf die Platzierung bedeuten.

 

Am Longines Wasser (25/26/27) wird sich zeigen, wie gut die Pferde in Sachen Ausdauer vorbereitet sind. Es ist wichtig, dass die Pferde weiter springen und aufmerksam bei der Sache sind. Die Reiter müssen sich entscheiden, wie sie die Spünge anreiten, abhängig davon, wie ihre Pferde sich den Kurs über präsentiert haben. Die Pferde brauchen auch auf der letzten Etappe der Strecke genügend Energie um ins Ziel zu galoppieren. Die Hütte soll helfen, sie für die beiden Ecken mit Bürste im Wasser vorzubereiten, die auf einen Galoppsprung gestellt sind. Die Linie ist eng und die Sprünge sind auch am Ende noch groß, aber wenn diese beiden Ecken überwunden sind, sollte die Bürste auf gebogener Linie recht leicht erscheinen, sollte aber dennoch respektiert werden. Für diejenigen, die den direkten Weg hier nicht mögen, besteht die Möglichkeit die erste Ecke im Linksbogen zu springen, um dann zum zweiten und letzten Element der Kombination zurückzukommen.

 

Ein kleiner letzter Galopp bringt Reiter und Pferde dann zur letzten Aufgabe kurz vor dem Ziel. Das Voltaire Vogelnest (28) ist groß und einladend, aber die Reiter müssen trotzdem aufpassen, denn kurz darauf kommen noch die Cottages (29), zwei versetzte Häuser. Für sich allein ist die Aufgabe nicht besonders schwierig, aber am Ende eines 5*-Kurses in einer Kurve nach einem ordentlichen Oxer ist es sehr leicht, diese zu unterschätzen und einen dummen Vorbeiläufer zu riskieren.

 

Schließlich kommen die Reiter zum Longines Final Jump (30), einem sehr schönen, einladenden Sprung zum Abschluss, mit dem Reiter und Pferde nach Hause kommen.

 

Wie immer hoffe ich, dass alle Paare eine positive und schöne Erfahrung machen und dass sie alle gut nach Hause kommen. Wir haben viel Arbeit in Vorbereitung des Bodens investiert, der unter dem sehr trockenen Sommer des vergangenen Jahres stark gelitten hat, und jedes Jahr wird dem Geläuf weiterhin große Aufmerksamkeit geschenkt.

 

Julia Otto und ihr Team verdienen große Anerkennung für die Bewältigung der Herausforderungen dieser Veranstaltung, ebenso wie David Evans, Carl Fletcher und der Rest des Kursbauteams für die fantastische Art und Weise, wie sie die Kurse bauen und präsentieren.

 

Ich wünsche allen Teilnehmern viel Glück!

Mike Etherington-Smith